Miniserie 3: Gene, Stress und Gentests.
Guten Tag oder guten Abend,
Vielleicht fragst du dich nach den letzten beiden Blogs zum Thema Genetik: „Soll ich jetzt wirklich meine Gene testen lassen?“
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an.
Genetik ist kein Schicksal – aber sie ist ein Kompass . Sie zeigt dir, wo deine individuellen Schwachstellen liegen, damit du gezielt gegensteuern kannst. Und insofern können Genetik-Tests wirklich hilfreich sein – wie ein Navi auf deinem Weg zu einem gesunden Leben.
Welche Gene sind besonders relevant?
Aus meiner Erfahrung und der Empfehlung von Expert/innen sind solche Gene besonders relevant, die zentrale Funktionen steuern. Dazu gehören zum Beispiel die Gene, die für im Gehirn und im Körper für die Stressverarbeitung relevant sind, COMT, MAOA und BDNF.
Langsame COMT – die Rennpferd-Genetik
Als Psychologin und Coach war ich bei Stressprävention natürlich immer auf der „Mentalschiene“ unterwegs. Bis ich 2015 im Rahmen einer Fortbildung für Präventivmedizin auf die COMT-Genetik aufmerksam wurde. Das ist die Genetik, die den Abbau der Katecholamine steuert, also der aktivierenden Stress-Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin.
Bei 20% der kaukasischen (also mitteleuropäisch-weißhäutigen) Bevölkerung, läuft die COMT viermal so langsam, wie bei anderen Menschen. Das heißt, neurobiologische Korrelate von Stressimpulsen, die Stressneurotransmitter, werden 25% langsamer wieder abgebaut. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. In der Fortbildung schaute ich auf eine Folie mit den Vorteilen der langsamen COMT und den Nachteilen.
✅Schnelligkeit im Denken, Reden, hohe verbale Kompetenz, hohe mentale Belastbarkeit über kurze Strecken. Schnelle Fettverbrennung, schlanker Körper. Das alles hatte ich!
❌Nachteile: nicht runterkommen, nicht aufhören können zu arbeiten, Reizbarkeit, in Folge Erschöpfung und auch Burn-out Gefahr.
Mein Partner drehte sich zu mir und sagte mit Blick auf die Folie: das hast du alles (die Vor- und die Nachteile).
Ja, das hatte (habe) ich alles. Ich machte den Gen-Test und bekam bestätigt: COMT-met-met. Die langsamste COMT-Variante. Ich nenne die COMT-met-met das Rennpferd-Gen. Man rennt und rennt und rennt. Bis man nicht mehr kann. Sich erholen muss. Und wieder losrennt.
Und seitdem weiß ich: ich muss mit meinem „Rennpferd-Gen“ einfach umsichtig umgehen. Der Genetik-Test hat mir geholfen, das einzusehen. Und auch Klient/innen profitieren davon, wenn sie die Information bekommen.
Tatsächlich wird die gesamte Stressreaktion von einer Mehrzahl von Genen gesteuert, die auch Rezeptoren und Transporter umfassen.
Dr. med. Kira Kubenz, Expertin in unserer Weiterbildung zum Health Coach, hat in ihrem Stresspanel über 60 Gene zusammengefasst:
- Stressreaktion & Neurotransmitter: COMT, MAOA, Transporter (DAT, SERT), Rezeptoren (DRD2, HTR2A).
- Schlaf & Regeneration: CLOCK-Gene, BDNF, Melatonin-Gene (AANAT, ASMT).
- Entzündung: Genetik von IL-6, TNF-α, FKBP5.
- Vitamin-Stoffwechsel: Genetik von MTHFR, VDR.
- Sucht & Abhängigkeit: Gefährdung durch Genetik für Alkohol, Cannabis oder Kokainmissbrauch.
Unser zweiter Genetik-Experte, Prof. Jörg Kriegsmann, (den ihr aus dem Powerlunch kennt und in unserer Weiterbildung zum Health Coach lehrt) teilt aus seinem Input Top-4-Gentests, die er selbst bei gesunden Menschen empfiehlt:
- Genetik der Vitamin D und B-Vitamine – weil sie zentrale Schalter für Energie, Stimmung und Stressbalance sind.
- Pharmakogenetik – wie dein Körper Medikamente abbaut (z. B. Antidepressiva über CYP2C19, Brustkrebsmedikament Tamoxifen über CYP2D6, Statine über SLCO1B1).
- Gerinnung & Aspirin-Test (GUCY1A3) – zeigt, ob Low-Dose-Aspirin dein Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall senkt oder paradoxerweise erhöht (um 40%!!).
- Alzheimer-Risiko (APOE4) – vor allem, wenn in deiner Familie Demenz vorkommt. Bei Auffälligkeiten ist eine genetische Beratung Pflicht.
Meine Zusatzempfehlung für Frauen:
- Das BRCA-Gen zu testen, wenn auffällig viele tödliche Brustkrebserkrankungen in der weiblichen Familie vorliegen. Dieses Gen ist eine bösartige Mutation, die zu einem sehr stark erhöhten Brustkrebsrisiko führt. Es wurde bekannt durch Angelina Jolie, die sich präventiv die Brüste amputieren (und wieder aufbauen) ließ. Diese Entscheidung kann einem niemand abnehmen. Aber Wissen ist Macht.
Was kostet das?
- Ein gezieltes Stresspanel: ca. 1.200 € (inkl. MwSt). Oder Einzelgentest COMT, MAO je 150€ (inkl. MwSt).
- Ein großes Präventionspanel („Prevention Complete Plus“) mit über 140 Genen: ca. 3.000 € (inkl. MwSt).
- Einzeltests (z. B. Pharmakogenetik) sind günstiger: sie starten bei ca. 50-80€ (inkl. MwSt) mit Interpretation, oder Panels bei 140€–465 € (inkl. MwSt).
Das Gute an Gentests: du musst sie nur einmal im Leben machen! Dann hast du Klarheit.
Und schließlich kommen wir wieder auf den ganzheitlichen Aspekt zurück, von dem ich immer ausgehe, im Coaching und im Leben: 70-80% unseres Befindens liegt am Lebensstil.
Das kannst du tun – auch ohne Gentest
Wissen nutzen: Auch ohne Labor kannst du deine drei Stress-Highways (Dopamin, Serotonin, Cortisol) mit denselben Nährstoffen stärken, die in allen Tests eine Rolle spielen – B-Vitamine, Magnesium, Zink, Eisen, Omega-3.
Lifestyle wirkt stärker als jedes Gen: Schlaf, Bewegung, Achtsamkeit, Ernährung – all das moduliert deine Gene epigenetisch. Deine Lebensweise entscheidet, wie laut oder leise deine Gene spielen.
So, und nun kommt der Herbst, die Blätter fallen und das Wetter lädt langsam dazu ein, Kakao zu trinken und sich einzumummeln. Wann das eine gute Idee ist und wann nicht, erzähle ich im nächsten Blog-Letter. Über Klostererfahrungen und Stoffwechsel-Blockaden, das metabolische Syndrom.
Herzliche Grüße, Ursula
P.S. Rückblick auf unsere Genetik-Serie im Blog (wenn du in deinem Postfach suchst, hier die Themen):
- Teil 1: Hast du das Stress-Tiger-Gen?
- Teil 2: 40+? Dieser Dieb raubt dir deine Gelassenheit in der Perimenopause!
- Teil 3: Gentests, die dich weiterbringen
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